
Sie waren die Vorreiter der privaten Satelliten-Sender: SAT1, PRO7 und Kabel 1. Sie waren bekannt für gute Unterhaltung, Kult-Comedy und gute Spielfilme. Sie hatten immer dann etwas Sehenswertes im Programm, wenn die Oeffentlich-Rechtlichen ihre Primetime mit Heimat- und Kulturpflichten füllen mussten, die niemanden wirklich interessierten. Für gute Inhalte war man als Zuseher gewillt, sich von Unterbrecherwerbung nerven zu lassen.
Die Sender, die inzwischen mit einigen anderen in der ProSiebenSat 1 Media AG zusammengeschlossen sind, haben aber ihre Glanzzeiten längst überschritten. Kabel 1 ist zum Seriensender verkommen. Seichte Spielfilme gibt es nur noch am Sonntagnachmittag und an einem Abend der Woche. Der Rest des Programms wird mit Serien-, Serienwiederholungen und Doku-Soaps im Muster des US Trailer-Trashes vollgepackt. Nicht mehr wirklich interessant.
ProSieben versucht, mit grossen Eigenproduktionen im Genre Reality Show zu punkten. Stets abgestützt auf die zwei, drei gleichen Imageträger, werden abendfüllende Shows abgedreht, die eindeutig an den Wünschen des Publikums vorbeizielen. Wie bei den anderen Sendern ist der Anteil guter Spielfilme drastisch zurückgegangen. Viele neue Serien, die teuer eingekauft wurden, entpuppten sich als Zuschauerflopps und wurden nach kurzer Zeit wieder abgesetzt. Der europäische Zuseher springt nicht mehr vorbehaltslos auf jegliche US-Fernsehserien auf.
Am schlimmsten trifft es SAT 1. Der ehemalige Paradesender versucht seit längerem erfolglos, seine Wochentage einem Genre zuzuschreiben. So gibt es den Crime Sunday, wo seit Jahren dieselben, uninteressanten US-Krimiserien laufen. Oder den Fun Friday, wo viele klägliche Versuche gescheitert sind, minderklassige Comedians als grandiose Neuentdeckungen zu verkaufen. Nicht einmal einer von zehn schafft es wirklich auf die grosse Bühne der Comedians. Die meisten verschwinden nach einiger Zeit sang und klanglos, und ihre Sendungen werden abgsetzt, im besten Fall noch einige Male wiederholt. Aehnlich ProSieben wird auch bei SAT 1 zu stark auf einzelne Imageträger abgestützt, die teilweise ausgelutscht sind und die wirklich niemand mehr sehen will. An Spielfilmen werden vor allem teure Eigenproduktionen gezeigt, von denen diverse floppten.
Die Unterbrecherwerbung, die stets nervig war, wurde zur nervigen Perfektion. Zum Beispiel direkte Schalten eines längeren Werbeblocks nach dem Vorspann einer Sendung, und noch bevor die Sendung richtig begonnen hat. Oder 20-Sekunden-Unterbrecher mitten in einer Diskussion, manchmal mitten in einem Satz. Oder die langen und nervigen Werbeblöcke kurz vor Sendungsende, bevor die Auflösung präsentiert wird. Oder die Counter-Werbungen, die einem mitteilen, für wieviele Sekunden man sich den Werbekram noch ansehen muss.
Andere beliebte ProSiebenSat 1 Eigenarten, die Konsumenten zu verscheuchen, sind Fernseprogramme, die nie eingehalten werden. Ueber ganze Tage flimmern die Programme 10 Minuten früher als ausgeschildert über den Bildschirm, oder 15 Minuten später. Wer rechtzeitig einschaltet, ist angepisst, und schaltet um oder ab. Eine andere Eigenart sind Nachrichten zur vollen Stunde. Sie beginnen aber nicht zur vollen Stunden, sondern hören dann auf. Der Beginn ist, abgestuft auf die Menge und Länge der Meldungen, irgendwann kurz vor der vollen Stunde. Nur wann, das weiss niemand. Angepisst konsumiert man in der Folge diejenigen Nachrichten, die dann ausgestrahlt werden, wann sie im Programm ausgeschildert sind. Minutenlange Werbungen über die geplanten Spielfilme des nächsten Monats gehören genauso zum allgemeinen Aergernis, wie die penetranten Eigenwerbungen für Sendungen die in Kürze ausgestrahlt werden. Insbesondere SAT 1 fällt hier negativ auf. Zehn oder mehr Tage vor der Ausstrahlung eines Beitrags wird in praktisch jedem Unterbrecherwerbeblock darauf hingewiesen.

Die ProSiebenSat 1 Media AG hat mit ihrem US-Trailer Trash seit Jahren systematisch an den Konsumenten vorbeiproduziert, und erhält nun die Rechnung präsentiert: Die Zuseher springen angewidert ab und schalten um. Vor allem springen aber die Werbekunden ab, von denen die Firma letztlich lebt. In Zeiten der Krise gehen viele Unternehmen mit ihren Werbebudgets sorgfältiger um als sonst. Werbung auf Sendern zu platzieren, denen die Zuseher weglaufen, liegt da nicht mehr drin.
Kein Wunder also, dass die ProSiebenSat 1 Media AG Milliardenverluste einfährt und kurz vor der Pleite steht. Und nun sparen muss, und überdies ihren Anteil an den Gebühren der Oeffentlich-Rechtlichen fordert.
Die Lösung kann nicht sein, dass durch Gebühren der Oeffentlich-Rechtlichen der Schrott der deutschen Satellitensender mitfinanziert wird. Die Lösung muss vielmehr sein, dass diese Sender zu ihren Wurzeln zurückkehren. Wie das geht? Man nehme mal ein 10-Jahre altes Fernseprogramm zur Hand und schaue nach.